Roman Buchrezension / Film & Fernsehn

Nudel im Wind von Jürgen von der Lippe

Neulich sagte meine Frau zu mir: «Warum schreibst Du nicht endlich mal was mit Niveau? Ich würde gerne mal eine welthaltige, vielschichtige Romanhandlung von Dir lesen, ein Panoptikum an Figuren, eine ausgebuffte Mischung aus Action und Reflexion, Gesellschaftskritik und psychologischem Tiefgang, vielleicht sogar auch eine raffiniert eingebaute Krimihandlung, meinetwegen gern auch mit ein bisschen geschmackvoll beschriebenem Sex gewürzt, mach doch, Du kannst das!» Und ich setzte mich an mein Notebook und schrieb: «Ich möchte Ihnen eine ziemlich unglaubliche Geschichte erzählen. Ich weiß, das ist kein glücklicher Anfang für ein Buch, das seine Leser vom ersten Satz an in den Schwitzkasten nehmen und bis zum letzten Wort nicht mehr rauslassen soll. ‹Sie hatten ihm die Kehle durchgeschnitten und ihn dann im Urinal ausbluten lassen› ist da schon ein anderes Kaliber, aber in der Welt der sinnlos waltenden rohen Kräfte bin ich nicht so zu Hause wie in der Psyche der Sanftmütigen, Unscheinbaren mit ihren kleinen liebenswerten Macken. Menschen wie Gregor und sein Hund Waldmeister…»

Endlich ist es soweit, am 10. Januar erschien das neue Buch von Jürgen von der Lippe. Schon die Bücher zufuhr, habe ich mit Freude gelesen. So viel Humor hat selten ein Mensch. Ich mag ihn, schon viele Jahre und war… nein… ich bin immer wieder aufs neue überrascht, was in ihm steckt. Das Büchlein „Nudel im Wind“ ist mit 240 Seiten bestückt und ich habe es an nur einem Abend gelesen.

Das Buch finde ich, wenn ich mal so ehrlich sein darf, bisher das beste überhaupt von ihm. So gibt Jürgen wunderbare Einblicke hinter der Kamera/ Kulisse, nimmt sich dabei selbst auf die Schippe. Doch ist dieses Buch dennoch etwas komplett neues. Ein Roman. Hierbei spielt sich alles um den geschiedenen, netten Zeitgenossen Gregor. Er ist auf der Suche nach der großen Liebe, nimmt dabei aber jedes Fettnäpfchen mit. Eines Tages lernt er Lisa und Justus, einem erfolgreichen Privatdetektiv kennen. Bei einem Kaffee erzählt Gregor den beiden von seiner Idee mit einer Diät-Show, bei der die Kandidaten nicht nur abnehmen sollen, sondern auch ihren Grips beweisen müssen.

Lisa gefällt die Idee und schafft es tatsächlich, dass diese Sendung produziert wird. Die Sendung wird ein Erfolg und es bleibt kein Auge trocken, dabei werden diverse reale Künstler veräppelt und aufgezogen. Ich habe wirklich tränen gelacht bei diesem Buch und konnte es einfach nicht weglegen. Wirklich, so viel Witz und Charme, hatte ich noch in keinem Buch erleben dürfen.

Interessanterweise, fand ich die Idee der Show selber recht interessant. Wäre doch mal ein Format im realen Leben oder? Ich jedenfalls würde mich das schon mal anschauen und sehen, wie viel Kreatives und Ehrgeiz in einem Menschen stecken kann. Wenn die Show dann noch so viel Humor hat, dann wäre dies ein idealer Fernsehabend. Das Cover finde ich wieder einmal auch recht schön gestaltet. Jürgen ist diesmal jedoch nicht als Foto zu sehen, sondern als Zeichnung. Das Büchlein hat eine schöne Schreibweise. Selbst bin ich sofort angekommen und habe mich wohl gefühlt.

Liebe Grüße